WerkSTATTunterricht: Jugendliche praxisnah begeistern
Seit 2016 gibt es den WerkSTATTunterricht als alternatives Lernangebot an der Galileo-Schule in Jena. Ursprünglich war das Format für Hauptschüler:innen gedacht, denen das Lernen schwerfiel, die die Motivation zum Lernen verloren hatten oder im Nachmittagsbereich einen eher praktischen Zugang zum Lernen benötigten. Heute bietet der WerkSTATTunterricht allen Schüler:innen der Klassen 8 und 9 die Möglichkeit, auf selbstständige, entdeckende und experimentelle Weise zu lernen. Wir sind von dieser Form des Lernens begeistert und berichten in diesem Beitrag mehr zu unseren Erfahrungen.
So sieht der WerkSTATTunterricht bei uns aus
Der WerkSTATTunterricht ist 2016 in Form einer kleinen Fahrradwerkstatt als alternatives Lernangebot für Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Motivationsschwierigkeiten an der Galileoschule Jena in Zusammenarbeit mit dem Sozialpädagogischen Teamteaching entstanden. Gedacht war das Format ursprünglich für Hauptschüler:innen, denen das Lernen schwerfällt, die die Motivation zum Lernen verloren haben oder die im Nachmittagsbereich einen eher praktischen Zugang zum Lernen benötigten.
Der WerkSTATTunterricht hat sich weiterentwickelt und bietet heute allen Schüler:innen der Klassen 8 und 9 die Möglichkeit, auf selbstständige, entdeckende und experimentelle Weise zu lernen. Dabei stehen nicht nur handwerkliche und kreative Prozesse im Mittelpunkt, sondern auch das Erleben und Gestalten von Projekten, die mit realen Lebenswelten verknüpft sind.
Aktuelle WerkSTATTangebote:
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Medienwerkstatt: Kreativer Umgang mit digitalen Medien
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Kreativwerkstatt: Raum für künstlerisches Gestalten mit verschiedenen Materialien und Techniken
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Holz: Handwerkliche Arbeiten vom Entwurf bis zum fertigen Produkt
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Urban Gardening im Paradies: Gärtnern mitten in der Stadt – nachhaltiges Arbeiten mit der Natur
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Upcycling im Paradies: Aus Alt mach Neu – kreative Wiederverwertung von Materialien
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Töpfern: Gestaltung und Herstellung eigener keramischer Werke
Der WerkSTATTunterricht ersetzt heute den klassischen Technikunterricht der Schule und verfolgt einen fächerverbindenden Ansatz: Inhalte aus verschiedenen Unterrichtsfächern werden sinnvoll mit den Werkstattprojekten verknüpft. So entsteht ein lebendiges und praxisnahes Lernen, das die Schüler:innen aktiv mitgestalten.
Die WerkSTATTangebote werden von externen Honorarkräften sowie den Teamteacherinnen des Sozialpädagogischen Teamteachings begleitet, die ihre fachliche Expertise und kreative Impulse einbringen. Die Leistungen der Schüler:innen werden eigenständig eingeschätzt und benotet, wobei der Fokus auf dem Prozess, dem Engagement und dem individuellen Lernfortschritt liegt. Der WerkSTATTunterricht schafft Freiräume für neue Lernwege und fördert wichtige Kompetenzen wie Selbstorganisation, Teamarbeit, Problemlösefähigkeit und kreative Gestaltung – eine echte Alternative zum klassischen Unterricht.
Und die Jugendlichen finden es großartig
O-Ton einer Schülerin der 9. Klasse: „Frau Müller jetzt, wo ich Prüfungen schreibe, muss ich ja nicht mehr zum regulären Unterricht kommen. Darf ich aber bitte trotzdem weiter zu WerkSTATTunterricht gehen?! Das macht so Spaß“
Unsere Tipps für Schulen, die so ein Format entwickeln wollen
Schulen, die WerkSTATTunterricht als neues Unterrichtsformat entwickeln wollen, brauchen vor allem eines: ein wenig Mut, um Unterricht anders zu denken. Es geht darum, Strukturen aufzubrechen und Räume für praktisches, projektorientiertes Lernen zu schaffen. Dafür ist Unterstützung von außen hilfreich – etwa durch Honorarkräfte oder Kooperationen mit schulischen Unterstützungsnetzwerken oder Stadtteilprojekten. WerkSTATTunterricht kann dabei sowohl im Technikbereich verortet sein als auch in sozialen Fächern, um lebensnahe, handlungsorientierte Lernformate zu erproben.
Einer unserer externen Partner ist FlussLand Jena (verlinken www.fluss-land-jena.de). Der Stadtgarten FlussLand Jena vermietet Gemüse-Parzellen an Menschen, die sich selbst versorgen wollen.
Ein WerkSTATTjahr mit FlussLand Jena
Das Werkstattjahr hat mit der Ernte, Sortierung und dem Abwiegen verschiedenster Gemüsesorten begonnen - in diesem Fall Kürbisse und Kartoffeln. Diese wurden teilweise weiterverkauft, von unseren Schüler:innen vor Ort gegessen oder auch mitgenommen. Dieses Schuljahr stand das Thema Holz in der Upcycling Werkstatt ganz oben. Die vorhandene Umzäunung wurde mit Hilfe der Schüler:innen verschönert.
Die Kids freundeten sich mit den Stichsägen an und damit die Leute wissen, wo sie sich befinden, kam gleich noch eine Beschilderung für das FlussLand Jena hinterher. Parallel hatte sich die Gärtnerwerkstatt wieder aufs Feld begeben, um das Feld von Drähten zu befreien (an denen Schling- oder Kletterpflanzen wie Tomaten oder Paprika nach oben wachsen), damit im Anschluss das Gemüse neu gesetzt werden konnte.
Norbert Sauter, Betreiber von FlussLand Jena und Werkstattleiter war begeistert von der Technik, wie sich die Jugendlichen organisiert und wie sie schlussendlich zusammengearbeitet haben.
Da nach getaner Arbeit auch die Verköstigung nicht zu kurz kommen durfte, gab es auch mal selbstgemachte Pizza während der Werkstatt. Auch das mussten die Jugendlichen selbst organisieren: Feuerholz schlagen, den Ofen von A nach B bringen, Zutaten kleinschneiden, auf genügend Hitze und die Pizzen achten sowie im Anschluss alles wieder aufräumen.... Das Schmecken lassen gehörte selbstverständlich auch mit dazu.



